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Engel (griechisch angelos = Bote) bezeichnet seit dem Mittelalter übermenschliche, geschaffene Wesen, „reine“ Geister.

1) Die Lehre der Schrift. Die Schrift setzt Wesen als bekannt voraus, die je nach ihrer Aufgabe, ihrem Aussehen oder ihrer Beziehung zu Gott „Engel“ = Boten, „Männer“, „Heer Jahwes“, „Heer des Himmels“ genannt werden. In der nachexilischen Zeit werden sie näherhin als „Söhne Gottes“, als „Göttliche“, „Fürsten“, „Mächte“, „Geister“ verstanden, die entweder leiblos sind oder nur einen Scheinleib haben. Sie kommen als helfende oder strafende Boten Gottes, sind dem einzelnen Menschen oder dem einzelnen Volke zugeteilt und tragen vielfach einen eigenen Namen (Michael, Gabriel, Raphael, Uriel).
Die neutestamentlichen Aussagen über die Engel sind von den spätjüdischen Engelanschauungen geprägt, sind jedoch im ganzen nüchterner. Jesus Christus steht als der zur Rechten Gottes erhöhte über allen Engelwesen; diesen selbst wird die Heilsabsicht Gottes durch die Kirche kund (Eph 3,10). Sie werden folglich im Dienst Christi und seiner Jünger gesehen (Mt 4. 11; Apg 5,19f), fungieren als Boten an die Menschen im Auftrag des Heilswillens Gottes und werden Jesus Christus beim Letzten Gericht umgeben (vgl. Apk.).

2) Dogmengeschichtlich. Gegen jüdisch-apokalyptische und griechische Engelvorstellungen verteidigen die Väter die Geschöpflichkeit der Engel, die also nicht (wie in verschiedenen Formen der Gnosis) an der Erschaffung der Welt beteiligt (siehe Demiurg), dennoch aber dem Menschen an Macht überlegen sind. Erst anläßlich einer kirchlichen Lehräußerung durch das IV. Laterankonzil, die die Engel als existierend voraussetzt (DS 800; NR 918), wird die reine Geistigkeit der Engel These der Angelologie (Thomas v. Aquin). Gegen solche, die den personalen Charakter der Engel oder den Wesensunterschied von Geist und Materie in Frage ziehen, wendet sich schließlich eine Lehräußerung in jüngerer Zeit („Humani generis“: DS 3891).

3) Systematisch. Die theologische Lehre über die Engel muß davon ausgehen, daß der inhaltliche, ursprüngliche Quellpunkt der Engellehre nicht die alttestamentliche oder neutestamentliche Offenbarung Gottes selbst ist, daß die Engel vielmehr in dieser einfach als selbstverständlich vorausgesetzt und in ihrer Existenz erfahren werden (als geschaffene, personale Strukturprinzipien kosmischer Teilordnungen). Die sich auf die Engel beziehende Offenbarung hat dennoch eine wesentliche Funktion, indem die von außen kommenden Engelvorstellungen gereinigt werden und das Übrigbleibende als legitim tradierte Erfahrung des Menschen bestätigt wird. Die Erwähnung von Engeln dient der Erhellung umfassenderer, religiös bedeutsamer Wahrheiten: Herrschaft Gottes über alles, Gefährdetheit der menschlichen Situation. An Einzelvorstellungen (Namen, Zahl, Rangordnung der Engel usw.) ist die Offenbarung nicht interessiert. Eine theologische Angelologie ist darum eingeordnet in das eine Ereignis, um das alles im Dasein des Menschen geht: um das Kommen Gottes in Jesus Christus in seine Schöpfung. Sie hindert den Menschen an einer Verkürzung der Dimensionen seiner Mitwelt: er steht in einer umfassenderen Heils- und Unheilsgemeinschaft als bloß der Menschen. Erst von daher ist das Wesen der Engel ursprünglichst zu bestimmen: daß sie vom Grund ihres Seins her zur Welt gehören, in einer naturalen Einheit der Wirklichkeit und der Geschichte mit dem Menschen stehen, eine übernatürliche Heilsgeschichte mit ihm haben, die ihren ersten Entwurf und ihr letztes Ziel (und so auch für die Engel) in Jesus Christus hat. Weil aber theologische Anthropologie und Christologie einen Wesenszusammenhang miteinander haben, muß die Angelologie auch als inneres Moment an der Christologie begriffen werden: die Engel sind in ihrem Wesen personale Mitwelt des geäußerten und entäußerten Wortes des Vaters, das in einer Person geäußertes und gehörtes Wort ist. Ihre Differenz zu den Menschen müßte als („spezifische“) Abwandlung dieses Engeln u. Menschen gemeinsamen („generischen“) Wesens begriffen werden, das selbst zu seiner höchsten, gnadenhaften Erfüllung in dem Wort Gottes kommt. Von da aus sind die Gnade der Engel als Gnade Jesu Christi, Jesus Christus als Haupt der Engel, die ursprüngliche Einheit der Welt und der Heilsgeschichte mit Engeln und Menschen in ihrer gegenseitigen Über- und Unterordnung, die Veränderung, die die Rolle der Engel in der Heilsgeschichte erfährt, verständlich zu machen. Zweifellos hatten die Engel als Momente dieser Welt vor Jesus Christus eine größere Vermittlungsfunktion auf Gott hin als heute. – Vgl. auch Dämonen, Gewalten u. Mächte.
kthW

Praktische Regeln zur Erkenntnis der Antriebe und Eingebungen des göttlichen Geistes

Aus „De discretione spirituum“ von Kardinal Johannes Bona (1609-1674)

https://www.libriantichionline.com/seicento/bona_discretione_spirituum_1674
Praktische Regeln zur Erkenntnis der Antriebe und Eingebungen des göttlichen Geistes von von Kardinal Johannes Bona (1609-1674)

Sechs Geister gibt es, die man in drei zusammenfassen kann, in den göttlichen, teuflischen und menschlichen. Der göttliche Geist ist eine innere Anregung der Seele oder eine Eingebung, die von Gott kommt und zur Tugend und Heiligkeit antreibt. Diese göttliche oder innere Anregung oder Einsprechung kann auf verschiedene Art geschehen. Sie kann unmittelbar von Gott kommen oder mittelbar. Mittelbar ist sie, wenn sie uns durch die Engel oder durch fromme Menschen, durch die Stimme des Gewissens, durch gute Beispiele, geistliche Lesung, durch Leiden und Widerwärtigkeiten usw. zukommt. Es wäre eine sehr schlimme und gefährliche Unwissenheit, wenn wir die gute Einsprechung von der bösen nicht unterscheiden könnten. Praktische Regeln zur Erkenntnis der Antriebe und Eingebungen des göttlichen Geistes weiterlesen