Schlagwort-Archive: Gewalt

Gewalt (Gewaltfreiheit). In einem zunächst noch sehr „spekulativen“ Sinn ist Gewalt die reale von der Freiheit eines Subjekts bewirkte Veränderung des Freiheitsraumes eines anderen ohne dessen freie Zustimmung. In diesem Sinn verstanden, kann nicht jede Gewaltanwendung immer und in jedem Fall als unmoralisch gelten, weil sie mit der realen Ausübung von Freiheit, die sich selbst vollziehen will und nicht immer von der Zustimmung aller anderen abhängig sein kann, unablöslich ist. Aber solche Gewalt ist sehr oft in einer unsittlich den Freiheitsraum des anderen beeinträchtigenden Tat gegeben, die nicht mehr person- und sachgerechte Inanspruchnahme des eigenen Freiheitsraumes ist; es bleibt überdies sehr oft dunkel, wo genau und real die Grenze zwischen an sich legitimer Gewaltanwendung und unsittlicher Gewalt liegt; der Egoismus des Menschen täuscht ihn nur zu oft darüber, wo diese Grenze wirklich liegt. So gibt es allenthalben die Gewalt, die zur,,Sünde der Welt“ gehört und die das Gegenbild jener Gewalt ist, die die des „allmächtigen“ Gottes ist und an der die Freiheit des Menschen an sich in Verantwortung partizipieren darf. Die Geschichte aller menschlichen Kulturen und Gesellschaften ist voll von den verschiedensten Formen der Gewalt im herkömmlichen Sinn als unsittliches Mittel zur Beugung des Willens anderer und zur erzwungenen Erreichung von Zielen: Bestrafungen, Mißhandlungen, Folterungen, Tötung, Gefängnis, Polizeigewalt, Geiselnahme, Attentate, Krieg. Dabei sind die einzelnen Gewaltmaßnahmen (z.B. Krieg) selber oft wieder grauenvolle Bündel von verschiedenen Gewalttaten (Gefangenschaft, Vergewaltigung, Folter, Tod) und richten sich ebenso gegen Personen wie gegen Sachen und Einrichtungen. Zu Jesu Botschaft (↑Bergpredigt) von der bedingungslosen Liebe gehört der Appell zum Verzicht auf Gewalt, die die Existenz, die Freiheit, die Würde und das Glück des Mitmenschen zerstört. Gerade weil der Christ dazu aufgerufen ist, ohne Vorleistungen die unheilvolle Kette von Gewalt und Gegengewalt durch eindeutige Gewaltfreiheit zu unterbrechen, wird er oft in einen theoretisch unlösbaren Konflikt gestürzt, da er in einer Welt handeln muß, deren Verhältnisse allenthalben von Gewalt geprägt sind und daher zu ihrer Überwindung förmlich eine Gegengewalt erzwingen. Die fast unvorstellbare Perfektionierung der Mittel und Methoden von Gewalt im technisch-wissenschaftlichen Zeitalter und die Zunahme von Kräften, die Gewalt glorifizieren, kommerziell und politisch ausmünzen oder bedenkenlos schnell als unvermeidlich hinstellen, läßt darüber hinaus die traditionellen (abstrakt nicht unberechtigten) Unterscheidungen zwischen blutiger und unblutiger, legaler und illegaler, angemessener und unangemessener Gewaltanwendung als ethische Orientierung weitgehend untauglich werden, da die Gewaltmittel jederzeit sich verselbständigen können und sowohl die Anwendenden in ihren Sog zu ziehen wie deren Ziele zu korrumpieren in der Lage sind. Auch wenn der Christ deshalb jeder Verherrlichung oder Selbstrechtfertigung von Gewalt entschieden entgegentreten und jene Tendenzen als die wahrhaft vernünftigen unterstützen muß, die Gewalt als Mittel der Politik und des Alltags ablehnen und nach gewaltfreien Methoden der politischen Veränderung suchen, ist mit der Achtung der instrumentellen Gewalt – klammert man das Problem der Notwehr und gerechten Verteidigung einmal aus – das Problem der strukturellen Gewalt immer noch nicht gelöst. K. Marx zufolge ist die systematische Anwendung von Gewaltmitteln in der Geschichte der Menschheit weithin selber eine beklagenswerte Folge der Existenz antagonistischer Klassen und daher letztlich durch den Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse strukturell und nicht bloß durch moralisches Versagen von Einzelnen verursacht. Der strukturelle Antagonismus bedingt die primäre Gewalt, die immer wieder zu Anwendung von instrumenteller Gewalt führt, da eine herrschende (immer auch „sündige“) Klasse nie freiwillig auf die Durchsetzung ihrer Macht verzichtet. Die aufgezwungene (so sie das wirklich ist) revolutionäre Gegengewalt ist daher von einer neuen Qualität, weil sie den moralischen Absichten des Individuums vorausliegt. Eine theologische Beurteilung der Gewalt muß auch diese Differenz exemplarisch berücksichtigen, will sie das Problem nicht in unzulänglicher Weise auf die freie moralische Wahl des Individuums einengen. Auch wenn der Christ sich durch Ausübung revolutionärer Gegengewalt subjektiv in die „Sünde der Welt“ verstrickt fühlt, kann ihm objektiv die Gewaltanwendung aus Liebe zu den anderen und aus Verantwortung vor der Geschichte schicksalhaft aufgezwungen und abverlangt sein. Gerade im Bewußtsein aber seines unvermeidlichen Verstricktseins in diese „Sünde“ könnte der Christ eine entscheidende Aufgabe als schlechtes Gewissen der Revolution wahrnehmen und ihre Perversion zu terroristischem Gewaltmißbrauch verhindern helfen. K. F. (kthW)

Viele Christen sehen in Syrien keine Zukunft mehr

Pater Georges Aboud aus Damaskus besucht die Stadt Zürich

Bild: «Kirche in Not»)
Portrait von Pater Georges Aboud SB

Pater Georges Aboud aus der syrischen Hauptstadt Damaskus besucht am Wochenende vom 18./19. März 2017 die Stadt Zürich. Er feiert heilige Messen und berichtet in den Predigten über die aktuelle Situation in seinem Land. Er wirkt in Damaskus in der Pfarrei St. Cyrill als Vikar und ist dort Oberrichter des Patriarchates. Er spricht gut Deutsch, gehört dem Basilianer-Salvatorianer-Orden an und betreut in der grössten Pfarrei der syrischen Hauptstadt rund 15’000 Gläubige. Viele Christen sehen in Syrien keine Zukunft mehr weiterlesen

Alltägliche Gewalt und Verfolgung in sudanesischem Bistum

Besuch des em. Bischofs Gassis bezeugte die Liebe Gottes mit dem Mut eines Löwen

Bild: Kirche in NotDer em. Bischof Macram Max Gassis aus dem Sudan weilte zwischen dem 11. und 16. August 2016 in den Schweizer Kantonen Bern, Zürich und Graubünden. Schwerpunktmässig besuchte er aber die Ostschweiz, unter anderem Grub SG, Heiden AR und Oberegg AI (siehe Blog-Artikel „Sudanesische Regierung verfolgt Bischof im eigenen Land„). In seinen Predigten informierte er über die alltägliche Verfolgung und Gewalt im Gebiet seines Bistums. Das katholische Hilfswerk Kirche in Not ist eine der wenigen Organisationen, welches im muslimisch dominierten Sudan noch aktiv ist. Alltägliche Gewalt und Verfolgung in sudanesischem Bistum weiterlesen

Sudanesische Regierung verfolgt Bischof im eigenen Land

Bischof Gassis berichtet vom 11. -16. August 2016 in der Schweiz über seine Verfolgung

Bild: Kirche in Not
Em. Bischof Macram Max Gassis mit Kindern

Der em. Bischof Macram Max Gassis wird vom 11. bis 16. August 2016 in der Schweiz Gottesdienste feiern und Vorträge halten. Dabei berichtet er vom harten Alltag der Menschen in seiner Diözese und von Projekten des Hilfswerks Kirche in Not im Sudan und Südsudan. Er wird auch über den Bürgerkrieg und die Hungersnot im Südsudan informieren. Das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not lädt immer wieder Würdenträger in die Schweiz ein. In diesem August besucht uns der ehemalige Vorsteher der Diözese El Obeid, Macram Max Gassis. Er wird über die Menschen, das Land, die Kirche und über die Hilfe von Kirche in Not im Sudan und Südsudan berichten.

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Friede, Gebet und Versöhnung anstatt Gewalt, Rache und Hass

Christen in Bangladesch gehören zu den Ärmsten und haben einen schwereren Stand

Bild: Kirche in Not
Familie der ermordeten Italienerin

Bei einem islamistischen Attentat auf das Café Holey Artisan Bakery im Diplomatenviertel von Dhaka in Bangladesch wurden in der Nacht vom ersten auf den zweiten Juli zweiundzwanzig Menschen getötet, darunter zwei Polizisten. Zum Attentat bekannte sich die Terrormiliz Islamische Staat (IS), die einen weltweiten Dschihad ausgerufen hat. Die Familie eines Opfers setzt ein Zeichen der Hoffnung und hilft den verfolgten Christen in Bangladesch. Die von den Islamisten als Geiseln genommenen Opfer waren grausam ermordet worden, vor allem die weiblichen Opfer wiesen Spuren brutaler Folter und Misshandlung auf. Unter ihnen befindet sich auch die 33 Jahre alte Italienerin Simona Monti. Sie und das ungeborene Kind, mit dem sie schwanger war, wurden bei dem Attentat getötet. Friede, Gebet und Versöhnung anstatt Gewalt, Rache und Hass weiterlesen

Trotz Terror und Angst nehmen Katholiken in Mali zu

Pater Germain Arama aus Mali im Gespräch mit dem Hilfswerk „Kirche in Not“

Bild: Kirche in Not
Während eines Besuchs im deutschen Königstein bei Kirche in Not International

Pater Germain Arama, Ökonom des Bistums Mopti in Mali, hat am 21. April 2016 das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not in Königstein, Deutschland, besucht. Er ist in Mopti, Mali, geboren, studierte im Seminar der Hauptstadt Bamako und ist als Priester noch als Ökonom tätig, in der Diözese Mopti, einer Region in Mali, in der rund 3 Millionen Menschen leben. Im folgenden Gespräch, welches das päpstliche Hilfswerk Kirche in Not führte, gibt Pater Germain Auskunft über die Situation in seinem Heimatland, in dem seit längerer Zeit Krieg, Terror und Angst herrschen, so dass sogar die internationale Staatengemeinschaft wie die UNO zu Hilfe eilen musste, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Trotz Terror und Angst nehmen Katholiken in Mali zu weiterlesen

Weihnachten inmitten der Hölle von Aleppo

Niemand ist sicher, ob er lebendig nach Hause kommt, wenn er das Haus verlässt

Bild: Kirche in Not
Schwester Annie mit Kindern ist armenisch-katholische Ordensfrau von der Gemeinschaft Jesu und Mariens

Weihnachtsmusik, bunte Luftballons, Lichter, ein Christbaum: Schwester Annie und ihre Helfer haben den Gemeindesaal weihnachtlich geschmückt. Geschenke werden verteilt. Frohe Gesichter sind zu sehen. Kleine Kinder tollen umher. Es wird gelacht. Dennoch: Die vorweihnachtliche Idylle lässt die Menschen Aleppos allenfalls für einen kurzen Moment vergessen, in welchen Umständen sie leben. Weihnachten inmitten der Hölle von Aleppo weiterlesen

Sehen wir vor lauter Maschinen den Menschen nicht mehr?

Neue Grundpfeiler der Digitalisierung: Machine to Machine und Internet of Things

Bild: Intel-StudieWer kann das alles noch kotrollieren, was die Meldungen in den technischen Medien quasi im Tages-Rhythmus posaunen? Denn Experten erwarten anscheinend bis zu 50 Milliarden „Dinge“ mit ganz winzigen kommunikationsfähigen Computern, die in den kommenden vier Jahren mit dem Internet verbunden sein werden! Hierzu zählen beispielsweise Smartphones, Autos, Lifte, Rolltreppen, Heizkörper, Traktoren, Waschmaschinen und Zahnbürsten. Und schon gibt es Befürchtungen und Gegenreaktionen, denn gewisse Forscher wollen eine Rebellion der Maschinen verhindern. Sehen wir vor lauter Maschinen den Menschen nicht mehr? weiterlesen

Im verfolgten Nigeria gibt es Tausende von christlichen Berufungen

Msgr. Obiora Ike aus Nigeria weilt vom 28. Nov. bis 7. Dez. 2015 in der Schweiz

Bild: Kirche in NotIn Nigeria leben 165 Millionen Menschen. Das Land ist reich an Rohstoffen, doch von deren Verkauf profitiert nur eine kleine Elite. Zudem ist die Korruption weit verbreitet. Der aus Nigeria stammende Msgr. Obiora Ike setzt sich vehement für die verfolgten  Christen in seinem Land ein. Tausende von Opfern unter Christen und Muslimen gehen in Nigeria auf das Konto der radikalislamischen Gruppierung Boko Haram, die seit vielen Jahren Angst und Schrecken verbreitet. Die Gewalt gegen Christen betrifft vor allem den Norden des afrikanischen Staates. Im verfolgten Nigeria gibt es Tausende von christlichen Berufungen weiterlesen

Schluss mit der Aggressivität am Steuer

Zahlreiche Unfälle sind auf aggressives Fahrverhalten zurückzuführen

https://www.tcs.ch/de/testberichte-ratgeber/broschueren-publikationen/verkehrserziehung-sicherheit/aggression-im-strassenverkehr.phpEine Ratgeber-Broschüre des TCS soll entsprechend sensibilisieren und helfen, kritische Situationen zu vermeiden. Wenn man gestresst und gereizt ist, kann das gerade auch im Strassenverkehr in aggressives Verhalten umschlagen. Das betrifft natürlich nicht nur Automobilisten, sondern alle Verkehrsteilnehmer. Und auch wenn man selbst ruhig und gefasst bleibt, kann man unvermittelt vom aggressiven Verhalten anderer betroffen werden. Schluss mit der Aggressivität am Steuer weiterlesen

Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben, die Kernspaltung im innersten des Seins

Exerzitien zur Fastenzeit Teil XI mit Benedikt XVI. aus acht Jahren Pontifikat

Bild: berlinertageszeitung.deLaudetur Jesus Christus! Hier ist Radio Vatikan. Radioexerzitien in der Fastenzeit. Willkommen zu unserer Sendung, ich bin P. Bernd Hagenkord. In dieser vorletzten Folge unserer Radioexerzitien mit Texten, Predigten und Ansprachen von Papst Benedikt XVI. nähern wir uns den heiligen Tagen. Wir hören heute Gedanken zur Hingabe Jesu, seine Hingabe in den Gaben von Brot und Wein und seine Hingabe am Kreuz. Wir nähern uns dem Leiden Christi, der heiligen Woche und damit der Feier von Kreuz und Auferstehung. Papst Benedikt hat immer wieder in seinen Katechesen und Predigten den inneren Zusammenhang all dieser Geheimnisse und Geschehnisse erläutert, besonders mit Bezug auf den Apostel Paulus, dem seine eigene Theologie viel verdankt. Mit einem solchen Verweis wollen wir diese Sendung beginnen. Im Kreuze Christi bündelt sich wie in einem Brennpunkt die Theologie des heiligen Paulus. Wenn der Apostel vom Kreuz spricht, gibt er die Erlösung insgesamt in den Blick, das vom Kreuzestod Christi ausgehende Heil ist Geschenk der Gnade, die unserem Tun vorausgeht. Im Kreuz offenbart sich die unentgeltliche und barmherzige Liebe Gottes zu den Menschen. Es ist das Herzstück der christlichen Botschaft.

Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben, die Kernspaltung im innersten des Seins weiterlesen