Schlagwort-Archive: Wunder

Wunder heißt ein im Gesichtskreis unserer menschlichen Erfahrung antreffbares Ereignis, das wesenhaft nicht aus den (grundsätzlich einsichtigen) Eigengesetzlichkeiten dieses Erfahrungsraumes erklärt werden kann und deswegen den Menschen in jener Tiefe seines Daseins anruft, die seine gesamte überblickbare Erfahrungswelt ständig begleitet und zugleich übersteigt: in der eigentümlichen inneren Erschlossenheit und allseitigen Offenheit seiner geistgeprägten Natur, kraft der der Mensch eine grundsätzliche Empfänglichkeit für das Jenseits seiner Erfahrungswelt hat, eine bleibende Nachbarschaft zu Gott (siehe Geist, Transzendenz). Freilich muß er sich diese stets neu aus allen innerweltlichen Verfestigungen und Verdeckungen eröffnen im schlichten Vollzug der ursprünglichen Weite seines Wesens, in jener Glaubenswilligkeit, Gottgehörigkeit und ehrlichen Bejahung seines endlichen Daseins, die ihm eine letzte schwebende Fragwürdigkeit seiner Horizonte bewußt macht und so in ihm jene demütig empfängliche Verwunderung wachhält, in der er die nach verantwortlicher Prüfung unerklärbaren (und nicht bloß faktisch unerklärten) Ereignisse seiner Erfahrungswelt als unmittelbar von Gott beabsichtigt und veranlaßt annimmt und sich selbst durch sie aufgerufen weiß zu einem geschichtlichen Dialog mit ihm. Auch die Schrift kennt diese fundamentale Gläubigkeit im Menschen als Voraussetzung für das Wunder (vgl. Mk 5,34; Lk 18,42 u.a.), das dann seinerseits zum Glauben (im strengen Sinn) an die ausdrücklich formulierte Botschaft Gottes führt (vgl. Joh 11,37 ff u.ö.). Zur Begründung der vielfach von neuzeitlichen Naturwissenschaftlern und einer von ihrem Weltbild inspirierten Theologie in Frage gestellten Möglichkeit des Wunders und seiner Erkennbarkeit (als Glaubenssätze im I. Vatikanischen Konzil gelehrt, Definierte Glaubenslehre (Dogma): DS 3034, vgl. 3009; NR 52, vgl. 32) ist zu beachten, daß die vom Menschen her erschlossene Gesamtwirklichkeit einem Stufenbau gleicht, in dem keine einzige Region ausschließlich sich selbst angehört, sondern alles in einem nach oben aufgeschlossenen, seine konnaturalen Wirkmöglichkeiten je übersteigenden Zusammenhang steht. Die untermenschliche Natur bleibt in einer innerlich gezielten Hinordnung auf die Natur des Menschen, die ihrerseits aus sich selbst für ein geschichtlich freies Handeln Gottes empfänglich ist. Eine solche geschichtliche Initiative Gottes im Wunder bringt deshalb in der (materiellen) Natur nur in einer qualitativ neuen Weise deren Wesen, Ausdruck des souveränen Ordnungswillens Gottes zu sein, zur Geltung, insofern sie nämlich diese Natur, die sich wesenhaft in den Schranken eines überblickbaren Naturgesetzes auslegt, entschränkt in die höhere Gesetzlichkeit der göttlichen Heilsökonomie, in der Gott den Menschen in geschichtlicher Tat in seine Lebensgemeinschaft beruft.
Dogmatisch gesehen, ist damit das Wunder nicht irgendeine ungesetzmäßige, willkürliche Demonstration der Allmacht Gottes, sondern es steht in einem universalen heilsgeschichtlichen Zusammenhang, gehört in den Prozeß der gnädig-freien Selbstmitteilung Gottes an den Menschen (siehe Offenbarung, Praeambula fidei). Es ist die innergeschichtliche Selbstbezeugung dieses Heilswillens Gottes und seines ihm entspringenden heilsgeschichtlichen Handelns in den Propheten (seit Mose) und vor allem in Jesus Christus. Diesen dient das Wunder zunächst als äußeres beglaubigendes Zeichen ihrer gottgewollten Wirksamkeit, es hat aber in seinem Vollsinn zugleich einen endzeitlichen Aspekt, der besonders im alles entscheidenden Wunder der Auferstehung Jesu deutlich wird: das Wunder des verklärt auferstandenen Leibes Jesu ist die sichtbare Vorwegnahme des endzeitlichen Schicksals des in die Gottgemeinschaft berufenen Menschen, um dadurch die geschichtsstiftende und endzeitliche Macht Gottes (der diese Auferstehung gewirkt hat) zu bestätigen und zugleich die dem Menschen von ihm verheißene Vollendung als die verborgen wirkende Kraft der gegenwärtigen Heilssituationen zu bezeugen. kthW

Die Wunden des Krieges in der Gesellschaft heilen

Bischof Franjo Komarica aus Bosnien-Herzegowina besucht die Schweiz

Bild: «Kirche in Not»
Bischof Dr. Franjo Komarica, Banja Luka

Auf Einladung des internationalen katholischen Hilfswerks «Kirche in Not» spricht Bischof Komarica von Banja Luka zwischen dem 17. und 23. Juni 2017 in verschiedenen Schweizer Kirchgemeinden über die Situation der Katholiken in seiner Heimat. Komarica gilt als beherzter Christ und als Kämpfer für Versöhnung und interreligiösen Dialog. Während des Balkankrieges bot er persönlich vielen Menschen Zuflucht. Seit Kriegsende setzt er sich für das Recht der Vertriebenen ein, nach Bosnien-Herzegowina zurückzukehren. Die Wunden des Krieges in der Gesellschaft heilen weiterlesen

Gleichgültigkeit und Feindseligkeit machen den Glauben taub und blind

11. Katechese zur Barmherzigkeit im Licht des Neuen Testaments von Papst Franziskus

Bild: InternetPapst Franziskus widmete seine Katechese während der Generalaudienz am 15. Juni 2016 den Menschen, die wegen physischer oder anderer Leiden von der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Ausgehend vom Tagesevangelium legte er dar, dass damals Menschen wie dieser blinde Bettler am Straßenrand in Jericho einsam und fern von der Gesellschaft lebten. Franziskus gab zu Bedenken, dass das Bild des blinden Bettlers noch umso trauriger sei, da Jericho das Ziel nach dem Auszug aus Ägypten und die Pforte zum gelobten Land gewesen sei. In dieser prächtigen Stadt sitze dieser Bettler ganz allein und niemand habe Mitleid mit ihm. Der arme Mann erfahre Gleichgültigkeit und Ablehnung durch die Menschen, die auch blind für ihre Brüder seien und in ihm nicht den Herrn zu erkennen vermochten. Als Jesus in die Stadt komme, sei ausgerechnet nur der Blinde in der Lage, in ihm den Herrn zu sehen. Mit dieser Geste der Heilung bewirkte Jesus, den Ausgeschlossenen in den Mittelpunkt aller zu stellen. Der Glaube hat dem Blinden die Augen geöffnet. Durch die Begegnung mit der Barmherzigkeit versammelten sich alle um den Herrn und sahen, wer Trost und Hilfe benötige. Der Blinde folgte schließlich Jesus und wurde zu einem Glaubensboten. Auf diese Weise werde auch das Volk bekehrt und sehend. Gleichgültigkeit und Feindseligkeit machen den Glauben taub und blind weiterlesen

Niklaus Wolf als ehrwürdiger Diener Gottes bestätigt

Papst Franziskus erlaubt Selig- und Heiligsprechungskongregation das Dekret

Niklaus Wolf auf dem Weg zur Seligsprechung
Niklaus Wolf auf dem Weg zur Seligsprechung

Ein Dekret mit der Anerkennung von Wundern oder „heroischen Tugenden“ ist die Voraussetzung, dass ein Verstorbener als Seliger bezeichnet werden und als solcher öffentlich verehrt werden darf. Diese Ehrung wird demnächst auch dem Schweizer Familienvater Nikolaus Wolf  aus Neuenkirch, der im 18. Jahrhundert lebte, zuteil. Er war als Krankenheiler bekannt. Um ihn herum entstanden mystisch orientierte Gebetsgruppen, die für die Kranken und für die Kirche beteten. Der Papst unterzeichnete für Wolf das Tugenddekret, was bedeutet, dass er als „ehrwürdiger Diener Gottes“ bezeichnet werden darf. Das Wunderverfahren steht beim Diener Gottes Niklaus Wolf noch aus.

Weitere Hinweise und Quellen

Niklaus Wolf und seine Charismen – im Dienste der Kirche

Vater Wolf und das Charisma des Glaubens

http://www.niklauswolf.ch
Niklaus Wolf auf dem Weg zur Seligsprechung

Für Vater Wolf war der Glaube Herzenssache im Sinn der Heiligen Schrift. Denn im biblischen Sprachgebrauch wird mit dem Wort Herz nicht das Zentrum unserer Gefühle bezeichnet, wie wir das gewohnt sind, sondern das «Organ», mit dem wir Menschen Geistliches erkennen können, Göttliches, aber auch Widergöttliches. Darum beten wir mit dem Psalm 51 um ein klares, ein reines Herz, das Gott und seine Berührungen und Eingebungen in uns und in der Welt wahrnehmen kann: «Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist!» (Ps 51,12). Gott verspricht uns durch Seinen Propheten: «Ich schenke euch ein neues Herz … Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Weisungen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.» (Ez 36,26-27). Niklaus Wolf und seine Charismen – im Dienste der Kirche weiterlesen

Praktische Regeln zur Erkenntnis der Antriebe und Eingebungen des göttlichen Geistes

Aus „De discretione spirituum“ von Kardinal Johannes Bona (1609-1674)

https://www.libriantichionline.com/seicento/bona_discretione_spirituum_1674
Praktische Regeln zur Erkenntnis der Antriebe und Eingebungen des göttlichen Geistes von von Kardinal Johannes Bona (1609-1674)

Sechs Geister gibt es, die man in drei zusammenfassen kann, in den göttlichen, teuflischen und menschlichen. Der göttliche Geist ist eine innere Anregung der Seele oder eine Eingebung, die von Gott kommt und zur Tugend und Heiligkeit antreibt. Diese göttliche oder innere Anregung oder Einsprechung kann auf verschiedene Art geschehen. Sie kann unmittelbar von Gott kommen oder mittelbar. Mittelbar ist sie, wenn sie uns durch die Engel oder durch fromme Menschen, durch die Stimme des Gewissens, durch gute Beispiele, geistliche Lesung, durch Leiden und Widerwärtigkeiten usw. zukommt. Es wäre eine sehr schlimme und gefährliche Unwissenheit, wenn wir die gute Einsprechung von der bösen nicht unterscheiden könnten. Praktische Regeln zur Erkenntnis der Antriebe und Eingebungen des göttlichen Geistes weiterlesen